Samstag, 31. Mai 2008

Video: "Blowing in the wind" "Joan Baez"



Video: "Blowing in the wind" von "Juliogarten" bei Youtube
http://de.youtube.com/watch?v=DFvkhzkS4bw

Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Als „Queen des Folksongs“ genießt die amerikanische Sängerin und Gitarristin Joan Baez weltweit großes Ansehen. Die engagierte Vertreterin der Gewaltlosigkeit sang politische Lieder, nahm innerhalb von drei Jahrzehnten mehr als 50 Langspielplatten auf, beteiligte sich an Demonstrationen, protestierte gegen Atomwaffen, verweigerte Steuern und prangerte Menschenrechtsverletzungen an.

Joan Chandos Baez – so ihr Geburtsname – kam am 9. Januar 1941 als Tochter des mexikanischen Physikers Albert Vinicio Baez und seiner Frau Joan Bridge Baez in Clarence Center auf Staten Island (New York) zur Welt. Ihren Vater hatten Forschungs- und Lehraufträge in die USA geführt. Joan wuchs in Redlands (Kalifornien) auf.

Wegen ihrer dunklen Hautfarbe musste Joan Baez in Redlands unter Rassenvorurteilen leiden: Sie durfte nicht mit weißen Nachbarkindern spielen, und man beschimpfte sie als „Nigger“. Bereits im Alter von zehn Jahren wünschte sich Joan, die Leute sollten aufhören, sich gegenseitig das Gehirn aus dem Schädel zu blasen.

Von Rock’n’Roll in den Bann gezogen, begann Joan Baez als Zwölfjährige auf der Gitarre zu üben. Nach dem Verlassen des Colleges studierte sie kurze Zeit an der „Boston University Fine Arts of Drama“. In Boston wurde Joan von ihrem Vater in die „Coffee Houses“-Szene um den „Harvard-Square“ eingeführt, wo man Folksongs zum Besten gab und sie sich für diese Art von Musik begeisterte.

In der Folgezeit schloss sich Joan Baez verschiedenen Beatnik-Gruppen an, sang in „Coffee Houses“, im „Ballad Room“, „Club 47“ und ab 1958 im „Chicago“. 1959 trat sie ohne Einladung beim „Newport Festival“ auf und feierte dort einen sensationellen Erfolg. Ihr erstes Schallplatten-Album „Joan Baez“ von 1960 wurde zur meistverkauften Folklore-Langspielplatte in den USA. Nun galt die kaum 19-Jährige als Star.

Das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ schrieb über Joan Baez: „Ihre Stimme ist so klar wie die Luft im Herbst: ein vibrierender, kraftvoller, unerzogener, aufwühlender Sopran“. Auch als Prominente verabscheute Joan weiterhin Make-up. Wenn sie mit ihrem Sportwagen fuhr, saß sie barfuß am Lenkrad. Sie meinte, eigentlich sei sie keine Sängerin, sondern eine Politikerin.

Die musikalische Karriere der „Jeanne d’Arc des Folksongs“ war eng mit der politischen Entwicklung der 1960-er Jahre verbunden. Joan Baez begleitete mit ihren Songs die Studentenbewegung sowie die Bürgerrechts- und Anti-Vietnam-Bewegung. 1963 lehnte sie es ab, in einer Fernsehsendung von ABC aufzutreten, weil der linke Sänger Pete Seeger von den amerikanischen Medien boykottiert wurde. 1964 stiftete sie in Palo Alto (Kalifornien) ein „Institut zum Studium der Gewaltlosigkeit“.

Im August 1969 sang Joan Baez beim legendären Freiluft-Rockfestival in Woodstock bei Bethel (New York), zu dem 300000 bis 500000 Besucher kamen. Das Woodstock-Konzert gilt als Symbol der Jugendbewegung der 1960-er und 1970-er Jahre.

„Weil ein Teil des Geldes für Bomben und Panzer ausgegeben wird“, zahlte Joan Baez keine Steuern, sondern überwies statt dessen die Hälfte ihrer Konzerteinnahmen an pazifistische Organisationen. An der Spitze eines Demonstrationszuges marschierte sie von Selma nach Montgomery, klebte in amerikanischen Städten Plakate gegen die Atomrüstung, blockierte mit Demonstranten mehrfach Armeegebäude und verbüßte dafür Gefängnisstrafen.

Nach ihrer Hochzeit von 1968 mit dem amerikanischen Wehrdienstverweigerer David Harris predigte Joan Baez verstärkt gegen den Vietamkrieg. Im selben Jahr erschien ihr Buch „Daybreak“ („Tagesanbruch“). Im Juli 1969 musste Harris wegen seiner antimilitärischen Haltung ins Gefängnis. Im Dezember dieses Jahres brachte Joan den Sohn Gabriel Earl zur Welt. Im März 1971 wurde ihr Gatte nach 20 Monaten wieder freigelassen. Zusammen mit ihm schrieb sie das Buch „Coming out“ (1971). Ihre Ehe wurde 1973 geschieden.

Trotz ihres starken politischen Engagements lehnte Joan Baez ideologische Bindungen stets ab. Ihre Songs widmete sie Menschen, die Mut bewiesen, wie Lech Walesa in Polen, Corazon Aquino auf den Philippinen, den Müttern der Verschwundenen in Argentinien oder den Opfern des Terrors und der Unterdrückung.

Zwischen 1963 und 1975 machte Joan Baez die Lieder des amerikanischen Rock-Sängers Bob Dylan bekannt und trug so maßgeblich zu dessen Karriere bei. Dylan revanchierte sich damit, dass er Joan 1975 bei seiner „Rolling Thunder Revue“ auftreten ließ und ihr eine Rolle in dem vierstündigen Film „Renaldo and Clara“ (1978) verschaffte.

Die warmherzige Joan Baez und der mürrische Bob Dylan traten in den 1960-er und 1970-er Jahren oft als Duo auf. Sie blieb immer freundlich und offen, während er das Image des „lonsome wolf“ pflegte und sich zum Sänger der großen Bitterkeit entwickelte, zum Außenseiter und Fremden schlechthin.

1972 gehörte Joan Baez zu den Gründern der Sektion von „Amnesty International“ (AI) an der Westküste der USA. 1974 wurde sie Mitglied des „National Advisory Council“ von „Amnesty International“. 1979 hob sie die Menschenrechtsorganisation „Humanitas International Human Rights Commitee“ aus der Taufe. 1979 prangerte sie in einem „Open Letter to Hanoi“ („Offener Brief an Hanoi“) Menschenrechtsverletzungen in Vietnam an.

Nach dem Abebben der Protestwelle gegen den Vietnamkrieg gelangen Joan Baez nur noch wenige Hits, weswegen man sie manchmal bereits totsagte. Bei ihrer Lateinamerika-Tournee 1981 wurde sie von faschistischen Kreisen mit verbalem Terror und Bombendrohungen empfangen.

1986 feierte Joan Baez bei der ersten Tournee für „Amnesty International“ in den USA zusammen mit „U2“, „Police“ und Bob Geldorf ein Comeback. 1987 brachte sie nach siebenjähriger Pause wieder eine Langspielplatte heraus, die den Titel „Recently“ trug. 1988 trat sie bei einer Europatournee zusammen mit der argentinischen Folksängerin Mercedes Sosa und dem deutschen Pianisten Konstantin Wecker auf. Im selben Jahr erschienen auch ihre Memoiren „We shall overcome – Mein Leben“.

Joan Baez erhielt für ihre Lieder acht „Goldene Schallplatten“ und eine „Goldene Single“. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit dem „Gandhi Memorial Int. Foundation Award“ (1988), „Chevalier Légion d’Honneur“, der Ehrenbürgerschaft von Mailand (1988) und der „Friedensmedaille von Verdun“ (1988).

Im Februar 1993 bekam Joan Baez nach einem Auftritt im Mannheimer „Rosengarten“ die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zu spüren. Als sie zusammen mit einigen der sie begleitenden Musiker in Mannheim tanzen wollte, verwehrte man ihr in zwei Diskotheken den Zutritt. Einer der Türsteher, der den Weltstar offenbar nicht kannte, soll Joan mit den Worten „Das sind mir viel zu viele Ausländer hier“ abgewiesen haben. Die Sängerin kommentierte die Affäre relativ gelassen.

Wie sehr Joan Baez von ihren deutschen Fans geschätzt wird, zeigte wenige Tage später eine Szene nach dem Auftritt in der „Frankfurter Jahrhunderthalle“. Obwohl bereits das Deckenlicht ausgeschaltet und die Kabelstecker herausgezogen waren, weigerte sich das klatschende Publikum beharrlich zu gehen. Daraufhin kam Joan ohne Mikrophon noch einmal zum Bühnenrand und spendete ihre fünfte Zugabe.

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